Ein Aushängeschild für Bernau und den Chiemgau

Auf die Frage, wie er das Bauprojekt beschreiben würde, überlegt Jörg Blaesig kurz und antwortet dann: „Ausgesprochen interessant und anregend.“ Der Architekt und Geschäftsführer von Blaesig Architekten ist zusammen mit seinem Team verantwortlich für das Fachmarktzentrum an der Autobahnausfahrt Felden, das im Mai diesen Jahres mit der Eröffnung des dm Marktes sein zweites Geschäft erhält. „Das Projekt konnte wirklich erfolgreich gestaltet werden“, führt er weiter aus. „Bauherr und Stadt einigten sich schnell über den Entwurf, die Bedürfnisse der Bernauer wurden vollumfänglich miteinbezogen und wir konnten aufgrund der angewendeten Holzmassivbauweise ausgesprochen nachhaltig bauen.“

Durchdachte Bebauung mit Weitblick

Bereits als 2005 der ALDI in Bernau von der einen Seite der Chiemseestraße auf die andere Seite umzog und in diesem Zuge erweitert wurde, erarbeitete man in enger Absprache mit Bauherr und Stadt gemeinsam einen Bebauungsplan für ein großzügiges Fachmarktzentrum zwischen Chiemseestraße und A8. Dieser sieht neben dem bereits gebauten ALDI und dem demnächst finalisierten dm ein weiteres Gewerbegebäude mit ähnlicher Verkaufsfläche vor. Bereits vor Baubeginn des dm Markts wurde die Parkplatzfläche zwischen den Läden erweitert, die Parkbuchten verbreitert sowie eine Ladesäule für Elektroautos aufgestellt. Den Besuchern bietet sich damit schon jetzt ein vollumfängliches Einkaufserlebnis in verkehrsgünstiger Lage, das durch den dm sowie weitere Gewerbe, wie etwa einer Sparkasse, auf der Straßengegenseite ergänzt wird.

Von der Region inspiriert, für die Region gebaut

Zentrales Gestaltungselement des neuen dm Markts ist neben der großflächigen Glasfassade das markant geschwungene Dach. Als eine Hommage an das nahegelegene bayrische Meer, den Chiemsee, verdeutlicht es die Nähe zur Region und fungiert als Aushängeschild. Der Gebäudekörper duckt sich deshalb – sinnbildlich gesprochen – unter die Wellen, wodurch das Dach eigenständig wirken kann. Zudem unterstreicht die gebäudehohe Glasfassade die Wellenform, verstärkt die flache, geduckte Wirkung des Komplexes und reduziert die Gliederung der Fassade auf die Horizontale. Diese horizontale Gliederung lebt vom Rhythmus transparenter (Glas) und opaker (Holz) Elemente und orientiert sich am goldenen Schnitt in Proportion zu Höhe und Breite des Gebäudes, wodurch die der Autobahn zugerichtete Fassade besonders harmonisch erscheint. Für den Besucher ergibt sich durch die geschwungene Dachform und die offene Fassade ein angenehmes Kauferlebnis. Dies zeichnet sich durch luftige Räume mit großräumigem Charakter, einem einmaligen Bergblick auf Hochries, Sonnenwand und Kampenwand sowie natürlichem Licht für den gesamten Laden aus.

Nachhaltig zur optimalen Lösung

Damit dieses herausragende Kauferlebnis möglich wurde, mussten zunächst die schlechten und unterschiedlichen Bodenverhältnisse, die sich durch Moorboden sowie die Nähe zur Autobahn ergaben, überwunden werden. Mit einer Spezialgründung aus Rüttelstopfsäulen und einer Bodenplatte mit einem Sockel aus Stahlbetonfertigteilen schuf man ein Fundament, das den Belastungen des täglichen Betriebs sowie des Lieferverkehrs einwandfrei standhält. Darauf aufbauend errichtete man einen reinen Holzbau mit Holzstützen, Leimholzbindern und Nagelplattenbindern, einer Pfosten-Riegel-Fassade aus Holz Alu und einer Holzfassade aus Lärchenholz.


„Wir sind stolz darauf, dass wir unser Konzept eines Fachmarkts in Holzmassivbauweise auch hier verwirklichen konnten. Gerade unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit ist es eine besondere Vorgehensweise. So konnten beispielsweise allein durch die Holzkonstruktion mehr als 330 Tonnen CO2 gebunden werden“, erläutert die projektleitende Architektin, Ines Stenzel. Über die optimierte ökologische Bilanz des Gebäudes hinaus ist die Holzkonstruktion um ein Vielfaches leichter, wie herkömmliche Betonkonstruktionen, was vor dem Hintergrund der herausfordernden Gründungsverhältnisse besonders positiv herauszuheben ist. Auch ermöglicht die Holzmassivbauweise eine hohe Baugeschwindigkeit. So war das Dach innerhalb von zwei Wochen nach Beginn des Holzbaus im Dezember bereits dicht und das Bauwerk nach weiteren 12 Wochen fertiggestellt.

Regional, nachhaltig, erfolgreich

Möglich wurde dies nicht zuletzt durch das Zusammenspielt aus erfahrenen regionalen Handwerkern sowie der vollständigen Entwicklung des Bauwerks durch das Gemeinschaftsbüro Blaesig Architekten, Blaesig Ingenieure und LEICHTphysics: Alle Leistungsphasen von der Grundlagenermittlung bis zur Objektüberwachung, inklusive Statik, Brandschutz und Bauphysik kamen aus einer Hand. Als Gesamtplaner stand man so dem Auftraggeber sowie allen Projektbeteiligten und Gewerken von Anfang an als vollumfänglicher Ansprechpartner für Architektur, Tragwerksplanung und Bauphysik zur Seite. Darüber hinaus profitierte das Bauvorhaben von nachhaltig gewachsenen Beziehungen zu regionalen Handwerkern und Zulieferern und der daraus resultierenden engen Abstimmung.

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